Das große Thema Künstliche Intelligenz

Ein redaktioneller Beitrag für Ausgabe 02/2019 der ALSO POINT

Für viele Menschen – darunter auch eine Menge Reseller und ihre Kunden – ist das Thema Künstliche Intelligenz noch ein großes Mysterium. Mit zurückhaltender Neugier und Skepsis wird auf die neusten Entwicklungen geschaut und so richtig will der Funke für das Thema noch nicht überspringen. Die Berührungsängste sind verständlich, schließlich hat man es mit etwas so Umfassenden zu tun, das sich nur schwer greifen lässt. Dabei steht KI noch ganz am Anfang.

In diesem Artikel wollen wir Ihnen die Materie ein wenig näherbringen und zeigen, dass nichts, was mit KI zu tun hat, wirklich beißt. Als bestes Beispiel stellen wir Ihnen außerdem unseren Partner CleverGuides vor. Und weil es so viel zu berichten gibt, geht es in der nächsten Ausgabe gleich weiter…

Künstliche Intelligenz oder KI umfasst rudimentär die Wissenschaft rund um Konstruktion und Entwicklung intelligenter Maschinen. Doch der industrielle Ansatz hin zur KI hat sich mittlerweile von der einfachen Entwicklung intelligenter Geräte entfernt. Technologieunternehmen und -forscher auf der ganzen Welt haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, KI-Lösungen zu entwickeln, die nicht nur in Bezug auf Entscheidungsfindung intelligent agieren, sondern auch aus Daten lernen können.

Künstliche Intelligenz = Software, die intelligent handelt?

Alles, was sich KI nennen darf, besitzt ein tiefes Verständnis dafür, wie Prozesse oder Vorgänge ausgeführt werden. Flugzeuge fliegen ja auch nicht, weil sie Vögel imitieren.

KI-Technologien umfassen enorm viele Bereiche, nicht ausschließlich Software. Die verschiedensten Konzepte sammeln sich unter dem großen Oberbegriff KI. Folgende sind momentan die heißesten:

  • Natural Language Generation (automatische Textgenerierung)
    Texte, die aus Computerdaten erstellt werden. Derzeit im Kundenservice, in der Berichterstellung und zur Zusammenfassung von Business Intelligence-Erkenntnissen verwendet.
  • Spracherkennung

Transkription und Umwandlung der menschlichen Sprache in ein für Computeranwendungen nützliches Format. Wird momentan vor allem in interaktiven Sprachantwortsystemen und mobilen Anwendungen verwendet.

  • Virtuelle Assistenten

Sie reichen von einfachen Chatbots bis zu fortschrittlichen Systemen, die sich mit Menschen vernetzen können. Derzeit im Kundenservice und Support als Smart Home Manager eingesetzt.

  • Machine Learning Plattformen

Bereitstellung von Algorithmen, APIs, Entwicklungs- und Schulungs- Toolkits sowie Rechenleistung zum Entwerfen, Trainieren und Bereitstellen von Modellen für Anwendungen, Prozesse und andere Maschinen. Wird aktuell in einer Vielzahl von Unternehmensanwendungen eingesetzt, meistens hinsichtlich Prognosen oder Klassifizierungen.

  • KI-optimierte Hardware

Grafikverarbeitungseinheiten (GPUs) und Appliances, die speziell für die effiziente Ausführung von KI-orientierten Rechenaufträgen konzipiert wurden. Derzeit vor allem in Deep-Learning-Anwendungen eingesetzt.

  • Entscheidungsmanagement

Engines, die Regeln und Logik in KI-Systeme einfügen und für die Ersteinrichtung/Schulung sowie für die laufende Wartung und Optimierung verwendet werden. Eine ausgereifte Technologie, die in einer Vielzahl von Unternehmensanwendungen eingesetzt wird, um automatisierte Entscheidungen zu unterstützen oder durchzuführen.

  • Deep Learning Plattformen

Eine besondere Art des maschinellen Lernens, bestehend aus künstlichen neuronalen Netzwerken mit mehreren Abstraktionsschichten. Derzeit hauptsächlich in Anwendungen zur Mustererkennung und Klassifizierung verwendet, die von sehr großen Datensätzen unterstützt werden.

  • Biometrik

Ermöglicht natürlichere Interaktionen zwischen Menschen und Maschinen, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Bild- und Berührungserkennung, Sprache und Körpersprache. Derzeit hauptsächlich in der Marktforschung eingesetzt.

  • Robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA)

Verwendung von Skripts und anderen Methoden zur Automatisierung von Benutzeraktionen zur Unterstützung effizienter Geschäftsprozesse. Wird dort eingesetzt, wo menschliche Ausführung zu teuer oder ineffizient wäre.

  • Natural Language Processing (NLP) & Textanalysen

NLP nutzt und unterstützt Textanalysen, indem es das Verständnis von Satzstruktur und Bedeutung, Gefühl und Absicht durch statistische und maschinelle Lernmethoden erleichtert. Wird besonders bei der Betrugserkennung und Security, einem breiten Spektrum an automatisierten Assistenten und Anwendungen zum Abrufen unstrukturierter Daten angewandt.

Und noch viel, viel mehr.

 

Dr. Friedrich-Carl Schaefer, CEO von CleverGuides, hat es im Interview ganz treffend formuliert: „Was KI angeht, könnte man sagen, dass wir uns erst im Jahr 1 des World Wide Webs befinden“. Uns steht also noch einiges bevor – aber zu ihm gleich mehr. Fakt ist, dass wir uns momentan – so komplex das Thema auch erscheinen mag – noch mit einer sogenannt schwachen KI umgeben. Das bedeutet konkret, dass KIs nur einzelne menschliche Fähigkeiten auf Maschinen übertragen. Darunter fallen zum Beispiel Text-, Bild- und Spracherkennung. Dem gegenüber steht die starke KI. Gäbe es diese, wären Maschinen in der Lage alles zu adaptieren, was ein Mensch kann. Außerhalb des Filmuniversums sind wir dort allerdings noch lange nicht angekommen.   

Dieses Unternehmen lässt den Humanoiden Pepper unter anderem zum Lead-Generator werden
Wir stellen vor: CleverGuides

Der Name verrät schon einiges über den Ursprung von CleverGuides. Der liegt nämlich im Bereich von Guided Selling Systemen, die Verkaufsprozesse enorm erleichtern. So lassen sich Presales-Aktivitäten vollautomatisch durchführen, ohne dass der Vertrieb mit dieser eher unliebsamen Vorarbeit belastet wird. Auch die Messbarkeit spielt hierbei eine große Rolle: Die Produkte zeigen transparent, welche Wege Kunden letztendlich wählen. Die Gründungsidee von CleverGuides beruht also auf dem Thema Leadgenerierung. Klares Ziel: die besten Leads am Markt generieren und damit dem Vertrieb die perfekte Ausgangsposition für den „Angriff“ geben.

Erst vor zwei Jahren kam CEO Dr. Friedrich-Carl Schaefer auf der CeBIT in Berührung mit dem humanoiden Roboter Pepper. Damals war Japan Partnerland, weshalb mit vielen japanischen Ausstellern auch viele Roboter zur Messe kamen. Angefangen bei recht simplen Industrierobotern bis hin zu unterschiedlichsten Humanoiden war alles vertreten und begeisterte Dr. Schaefer vom Fleck weg. Nach ersten Gesprächen stellte sich heraus, dass Pepper tatsächlich keine japanische, sondern eine französische Entwicklung der Firma Aldebaran Robotics – mittlerweile SoftBank Robotics – ist.

Die Hochzeit der Gedanken

Das Potenzial von Pepper war schnell erkannt und die Idee, den Humanoiden mit dem bestehenden Guided Selling System zu verheiraten, war geboren. Pepper sollte als Ergänzung für den PoS oder auf Messen und Events zum Einsatz kommen und die Leadgenerierung dort revolutionieren und die Mitarbeiter sinnvoll unterstützen. 22 Sprachen? Das kann kein Sales Mitarbeiter leisten – Pepper schon! Für den Erstkontakt und die „Sondierung der Lage“ ein echter Gewinn.

 

Im Gespräch mit CEO Dr. Friedrich-Carl Schaefer kamen noch weitere hochinteressante Aspekte zu Pepper und dem zukünftigen Umgang mit KI zur Sprache.

POINT: Herr Dr. Schaefer, bei dem oben genannten Anwendungsszenario liegt es doch bestimmt nahe, dass Menschen Angst haben, durch Pepper ersetzt zu werden. Ist das begründet?

Dr. Schaefer: Nein, ganz und gar nicht! Mit unserer Software ausgestattet, soll Pepper Mitarbeiter entlasten und nicht entlassen. Er leistet quasi die Vorarbeit, sodass der Vertrieb direkt am Kern der Anfrage oder des Interesses ansetzen kann. Das spart natürlich enorm viel Zeit und steigert die Effizienz. Aktuell wird Pepper mit CleverGuides Software beispielsweise in einem Telekom Flagship-Store in Belgrad zur Produktberatung eingesetzt. Nach Peppers Vorarbeit können die Mitarbeiter dort direkt in das Verkaufsgespräch übergehen.

POINT: Pepper stellt also proaktiv Fragen und beantwortet im Gegenzug auch Fragen von seinem Gegenüber?

Dr. Schaefer: Richtig. Durch verschiedene Sensoren ist Pepper in der Lage, Blickkontakt zu erkennen sowie Alter und Stimmung einer Person einzuschätzen. Eben alles, um ein zuverlässiges Gespräch zu führen und dabei auf sein Gegenüber einzugehen. Sobald Pepper merkt, dass ein Mensch auf einer Messe irritiert oder böse schaut, kann er Rückfragen zum Verständnis stellen oder streut sogar kleine Witze und Anekdoten ein. Ohne diese Sensoren und die komplementäre Software wäre Pepper nur eine Workstation auf Rädern und hätte nicht viel mit KI zu tun.

POINT: Pepper und die CleverGuides Software sind also ein gutes „Team“. Was macht denn die Partnerschaft von CleverGuides und ALSO so besonders?

Dr. Schaefer: Zunächst sind wir sehr froh, dass so ein großes Unternehmen wie die ALSO sich für eine kleine Firma wie CleverGuides interessiert und in der Zusammenarbeit versucht, das Thema KI hierzulande voranzutreiben. Wenn wir auf China schauen, sind wir natürlich schon lange überholt. Wenn wir nicht in die komplette Abhängigkeit geraten wollen, dann müssen wir uns sputen. Wir wollen die KI-Landschaft gemeinsam mit der ALSO mitgestalten und neue Verticals wie beispielsweise das Gesundheitswesen (z. B. Pepper als Pflegeassistenz) für den Einsatz von KI gewinnen. Außerdem hat die ALSO mit uns einen offiziellen SoftBank Partner im Portfolio. Als zertifizierter VAR darf CleverGuides Pepper momentan in ganz Europa verkaufen.

POINT: Was ist Ihr Wunsch für den zukünftigen Umgang mit KI?

Dr. Schaefer: An erster Stelle sollte bei jedem, der mit dem Thema in Berührung kommt, eine vernünftige Erwartungshaltung stehen. KI ist nicht die Lösung für alle Probleme und wird sie auch nicht sein. Wichtig ist dennoch, dass Unternehmen den Einstieg nicht verpassen. Ich wünsche mir einen verantwortungsvollen Umgang mit den verschiedenen KI-Technologien und dass deutsche Unternehmen Sensibilität für Künstliche Intelligenz aufbauen. Das würde uns auf jeden Fall helfen, KI weiter und vor allem erfolgreich in den Fokus zu rücken, sowie neue Usecases abzubilden.

Das allgemeine Wachstum des globalen Geschäftswertes von KI wird laut Gartner bis 2022 auf fast 4 Billionen US-Dollar ansteigen. Deutschland will bis 2025 offiziell 3 Milliarden Euro in Künstliche Intelligenz investieren – gute Ausgangslagen für die weitere Entwicklung dieses Topthemas.

Bleiben Sie gespannt, wie es im ALSO KI-Kosmos weitergeht und welches Unternehmen wir Ihnen in der nächsten Ausgabe vorstellen.

Ihr ALSO-Ansprechpartner:

Beata Mierzwinska
European Category Manager Software

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